Die Zukunft Deutschlands
Bildung und Demografie im Wandel
Editorial: Kein Schicksal, sondern politische Herausforderung
Horrorszenarien und Untergangspropheten gab es schon reichlich. Deutschland, eine sterbende Gesellschaft, im Griff der Alten, geprägt von Verteilungskämpfen und im internationalen Wettbewerb mit den aufstrebenden jungen asiatischen Nationen ohne Chance. So sieht die Zukunft aus, wenn nicht mehr Kinder geboren werden, die das Sozialprodukt mehren können. Und da die Geburtenraten sich nur sehr langfristig, wenn überhaupt, verändern, scheint das demografische Urteil gesprochen zu sein – unausweichlich!
Doch langsam wendet sich das Blatt. Immer mehr Stimmen werden laut, die Deutschlands demografische Entwicklung, also die Tatsache, dass die Bevölkerung bis zur Mitte des Jahrtausends deutlich schrumpfen und altern wird, als Chance begreifen. Weniger Menschen haben mehr Platz, einen größeren Anteil am Volksvermögen, sie müssen keineswegs verarmen. Sie müssen nur mehr leisten, also produktiver sein.
Das Schlüsselwort dafür heißt Bildung. Der Wandel zur Wissensgesellschaft ist der Megatrend für reife Industriegesellschaften, um sich im globalen Wettbewerb des 21. Jahrhunderts zu behaupten. Er ist es umso mehr für schrumpfende und alternde Gesellschaften, denn nur mit Bildung und Wissen können sie ihre Produktivität steigern und Arbeitsbedingungen schaffen, in denen Menschen auch im hohen Lebensalter arbeiten können. Bildung bedeutet genauso frühkindliche Erziehung wie Universitätsausbildung und – vor allem – lebenslanges Lernen.
Doch die Voraussetzungen dafür sind in Deutschland derzeit nicht besonders gut. Zu wenig Geld wird in Kindergärten, Schulen und Universitäten investiert, es gibt zu wenige Hochschulabsolventen, zu wenig Spitzenleistungen, zu wenig Innovationen. Der PISA-Schock hat das Bewusstsein verändert, die Politiker sind aufgeschreckt und handeln. Sie wissen: Mit den richtigen Investitionen in Bildung ist der demografische Wandel kein unausweichliches Schicksal, sondern eine politische Herausforderung. Immerhin!
Rainer Hupe
Chefredakteur

