Wirtschaft Konkret zum Thema Risikomanagement allgemein

Mittelstand in Deutschland

Herausforderungen für die Zukunftsfähigkeit

Wo wachsen die Unternehmen?

Selbst wenn die Weltwirtschaftskrise den Protektionismus in einzelnen Sektoren und Ländern wieder aufleben lässt, wird sich die Globalisierung fortsetzen. Der deutsche Mittelstand hat noch erhebliche Wachstumschancen, wenn er sich weiter internationalisiert.

Weil die Wachstumschancen auf den Heimatmärkten in den vergangenen Jahren nicht besonders günstig waren, ist der Weg ins Ausland längst nicht mehr den großen Konzernen vorbehalten. Ganz im Gegenteil, die fortschreitende Vernetzung der globalen Märkte zwingt auch immer mehr Mittelständler dazu, ihre Chance jenseits der Grenzen zu suchen. Selbst Spezialisierer und Innovations-Champions, die sich in mehr oder weniger großen Marktnischen tummeln, können dies immer weniger ausschließlich in heimischen Gefilden tun. „Die erfolgreichsten Unternehmen sind Marktführer in einer Nische“, sagt der Mittelstandsexperte Peter May, Leiter der Intes Akademie für Familienunternehmen, „aber Nischen sind heute nicht mehr national, sondern europäisch oder weltweit definiert.“

Gerade der Mittelstand, der rund zwei Drittel des Sozialprodukts in Deutschland erwirtschaftet und 70% aller Arbeitsplätze stellt, sichert der Volkswirtschaft mit seinem zunehmenden Engagement im Ausland auch seit Jahren den internationalen Rang als Exportweltmeister. Rund 54% aller Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 2,5 Millionen Euro jährlich sind im Ausland aktiv, das ergab eine Studie der Organisation „Unternehmerperspektiven“, die von der Commerzbank gegründet wurde. Und für weitere 23% ist der Schritt ins Ausland eine Option – der bislang allerdings noch nicht vollzogen wurde.

Trotz der zunehmenden Eroberung von Auslandsmärkten spart die Untersuchung allerdings auch nicht mit Kritik. „Die Unternehmen agieren zu defensiv, handeln häufig erst unter Druck“, heißt es da. Die große Mehrheit der Firmen schwenke erst dann auf internationale Expansion um, wenn Kunden und Großabnehmer im Ausland sind und von ihren Lieferanten internationale Präsenz erwarteten. „Für kleine Unternehmen ist der Sprung ins Ausland ein großer Sprung mit Risiken, die man womöglich nicht beherrschen, nicht managen kann“, erklärt Anton F. Börner, Präsident des Bundesverbandes des deutschen Groß- und Außenhandels.

Tatsächlich aber überschätzen Unternehmen, die Auslandsgeschäfte erwägen, häufig die Risiken und Herausforderungen und unterschätzen ihre eigenen Fähigkeiten. Im Rückblick sehen Mittelständler, die ins Ausland gegangen sind, wesentlich weniger Probleme als sie vor dem ersten Schritt vermuteten. Dazu mag auch beitragen, dass sie in der Regel erfolgreich sind. „Die Erwartungen der kleinen Mittelständler erfüllen sich jenseits der Grenzen zu 84 Prozent, bei den großen sogar zu 93 Prozent, ermittelte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in einer Umfrage unter mehr als 4.000 Firmen. Und auch die Furcht vor dem Verlust von Arbeitsplätzen in der Heimat erweist sich oft als falsch. „Unternehmen mit Auslandsgeschäften berichten zu 45 Prozent, dass dies zum Ausbau auch der heimischen Arbeitsplätze geführt hat“, schreiben die Autoren der
Unternehmerperspektiven. [...]

Wirtschaft Konkret Nr. 424 - Mittelstand in Deutschland
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