Insolvenzprognose 2010
Entspannung auf hohem Niveau
Insolvenzprognose für die Industrienationen
Nach der schwersten Rezession der Nachkriegszeit kehrt die Weltwirtschaft wieder auf einen moderaten Wachstumskurs zurück. Doch die Erholung ist weiterhin gefährdet, sie hängt noch immer von staatlichen Konjunkturprogrammen ab.
Am Ende des Jahres 2009 deuten immer mehr Indikatoren darauf hin, dass die Weltwirtschaft ihre tiefste Krise seit Jahrzehnten allmählich überwindet. In den wichtigsten Industrieländern wächst das Sozialprodukt wieder, große Schwellenländer wie China oder Indien kehren auf einen höheren Wachstumspfad zurück. In den USA nahm das Bruttoinlandsprodukt bereits im dritten Quartal 2009 um rund ein Prozent zu gegenüber dem Vierteljahr davor, zum ersten Mal nach einem Jahr mit Minusraten in Folge. Japan, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, registrierte im gleichen Zeitraum ein unerwartet hohes Plus von 1,2% im Vergleich zur Periode davor. Und auch die Eurozone schaffte den Sprung aus der Rezession mit einem Plus von 0,4% im vorletzten Quartal des Jahres, gezogen von Deutschland, dessen Inlandsprodukt von Juli bis September um 0,7% im Vergleich zum Vierteljahr zuvor wuchs.
Doch mit dieser positiven Entwicklung im zweiten Halbjahr wird der vorangegangene dramatische Einbruch bei weitem nicht wettgemacht. Für das gesamte Jahr 2009 rechnen die Volkswirte des Kreditversicherers Euler Hermes daher mit einem scharfen Rück gang des globalen Sozialprodukts. Einen besonders massiven Einbruch muss Japan verkraften, während er in der Gemeinschaft der Euro-Länder etwas geringer ausfällt, ebenso wie in den USA. Für 2010 prognostizieren die Experten des Versicherers dagegen durchweg wieder Zuwächse. Danach wird die Weltwirtschaft merklich zulegen, mit positiven Wachstumsraten in den USA, in Japan und in der Eurozone. China und Indien, deren Sozialprodukt auch 2009 noch erheblich wuchs, werden 2010 ebenfalls einen kräftigen Konjunkturanstieg erreichen.
Von der positiven Entwicklung profitiert Deutschland als exportstarke Volkswirtschaft, so wie die wichtigsten Branchen des Landes zuvor besonders stark unter dem Einbruch der Weltwirtschaft gelitten haben. Die exportabhängige Industrie wurde im dritten Quartal 2009 kräftig von Aufträgen aus dem Ausland angeschoben, trotz des relativ starken Euro. Im September meldeten sie den zweitstärksten Anstieg ihrer Verkäufe jenseits der Grenzen in den vergangenen drei Jahren. „Es geht Schritt für Schritt aufwärts“, verkündete der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK), „besonders in China und dem arabischen Raum steigt die Nachfrage nach deutschen Waren“. Die führenden Branchen, die im Abschwung bis dahin unbekannte Einbußen verkraften mussten, konnten wieder Zugewinne erzielen. So stieg der Auftragseingang im Maschinenbau im dritten Quartal 2009 um 10,4%, in der EDV/Elektronik um 9,2%, in der Chemie um 7,6% und im Automobilbau um 7,2%. Die Produktion in diesen Branchen verzeichnete ebenfalls erhebliche Wachstumsraten. „Der deutsche Patient atmet nicht nur wieder, er steht sogar wieder aufrecht“, kommentierte eine Bank die Entwicklung, und fügte hinzu: „Allerdings an zwei Krücken der Geld- und Fiskalpolitik.“ [...]
Wirtschaft Konkret Nr. 106 - Insolvenzprognose 2010 - Download (PDF)

