Der konjunkturelle Aufschwung
Wie geht es weiter?
Editorial: Steiler Höhenflug mit Risiken
Nach dem tiefen Fall der überraschend steile Aufstieg – die deutsche Wirtschaft steigt gegenwärtig buchstäblich wie ein Phönix aus der Asche zu unerwarteten und ungeahnten Höhen auf. Regelmäßig werden die Wachstumszahlen nach oben korrigiert, die Arbeitslosigkeit sinkt auf lange nicht gekannte Tiefststände und auch die Konsolidierung der Staatsfinanzen scheint mit der günstigen wirtschaftlichen Entwicklung leichter als noch vor Monaten gedacht. Die größte Volkswirtschaft der Europäischen Gemeinschaft spielt wieder die Rolle, die ihr eigentlich auch zugedacht ist: Sie zieht als Lokomotive den Zug der Volkswirtschaften. Ist also alles gut, alles bestens?
Diese Frage haben sich Stephan Paul, Professor an der Ruhr-Universität Bochum, und Stefan Stein, Professor im Bochumer ikf institut für kredit- und finanzwirtschaft e.V. im Auftrag der Euler Hermes Kreditversicherungs-AG gestellt. Auf der Grundlage umfangreichen Datenmaterials vergleichen sie diesen Aufschwung mit früheren Phasen der wirtschaftlichen Erholung, ziehen historische Parallelen und leiten daraus fundierte Prognosen für die Zukunft ab. Ihr Fazit: Die Aussichten sind tatsächlich so günstig wie seit langem nicht mehr. Aber in der allgemeinen Euphorie dürfen auch die Risiken für die deutsche Volkswirtschaft nicht übersehen werden – Gefahren, die von außen kommen genauso wie solche, die hausgemacht sind.
Ein typisches Merkmal zeigt auch dieser Aufschwung wieder: Während die Aufträge sprudeln, der Umsatz wächst, die Beschäftigung zunimmt und die Unternehmen sogar wieder mehr investieren, haben selbst ertragsstarke Firmen noch Schwierigkeiten, an Kredite zu kommen. Auch wenn es bisher nicht zu der vielfach öffentlich diskutierten Kreditklemme gekommen ist, wird damit in dieser Phase der positiven wirtschaftlichen Entwicklung deutlich, wie wichtig eine gute Finanzkommunikation ist.
Gerade mittelständische Unternehmen haben in dieser Hinsicht noch große Lücken. Dabei hat eine professionelle Finanzkommunikation ganz eindeutig Vorteile, wie mehrere Untersuchungen von Euler Hermes gezeigt haben. Deshalb bleibt als Fazit der vorliegenden Konjunkturstudie eine klare Empfehlung: Auch wenn der Krisendruck nachlässt – eine gute Finanzkommunikation ist wichtiger denn je.
Rainer Hupe
Chefredakteur

