Der konjunkturelle Aufschwung
Wie geht es weiter?
Fokus: Finanzkommunikation
Selbst ertragsstarke Unternehmen haben im Aufschwung Mühe, an Kredite zu kommen. Deshalb ist eine gute Finanzkommunikation nicht nur in der Krise existenziell wichtig. Sie schafft eindeutig Wettbewerbsvorteile und ist damit ein Werttreiber.
Auch mit diesem Aufschwung geht eine typische Entwicklung einher: Aufträge, Produktion und Umsätze ziehen an. Mit der besseren Kapazitätsauslastung realisieren die Unternehmen wieder verstärkt Investitionen. Aber das Kreditvolumen, sowohl in Deutschland als auch in Europa ist nach wie vor rückläufig. „Im Aufschwung kommen die Banken mit ihrer Kreditvergabe immer ein bisschen später“, resümiert Professor Stein den Trend, den er statistisch seit 1992 nachweisen kann. In aktuellen Umfragen sagen selbst ertragsstarke Unternehmen mehrheitlich, sie würden schwerer an Kredite kommen.
Und diese Situation könnte sich in den nächsten Jahren noch verschärfen. Denn nach den im Dezember 2010 verabschiedeten neuen Aufsichtsregeln für Banken („Basel III“) müssen Kreditinstitute spätestens ab 2013 deutlich mehr Eigenkapital für ihr Kreditgeschäft vorhalten. Es ist keine Kunst vorauszusehen, dass sie mit dieser teuren Ressource noch sorgfältiger als bisher umgehen und ihre Anforderungen an Kreditnehmer tendenziell erhöhen werden. Vor diesem Hintergrund macht es nachdenklich, dass viele Mittelständler das Thema „Finanzkommunikation“ immer noch nicht ernst genug nehmen.
Dabei bietet eine gute Finanzkommunikation eindeutig Vorteile (siehe
Wirtschaft Konkret Nr. 421 „Finanzkommunikation jetzt krisenfest machen“
und
Nr. 425 „Schwungrad Finanzkommunikation“).
Das gilt nicht unbedingt für die Kreditkonditionen, aber eindeutig auf anderen Gebieten: Für gute Finanz-Kommunikatoren steigt zum einen die in der Krise besonders bedeutsame Kreditverfügbarkeit. Zum anderen zeigt sich: „Es ist ein geldwerter Vorteil, wenn man schneller an Kredite kommt und das mit weniger Unterlagen, Aufwand und Bürokratie“, sagt Professor Paul. Eine gute Finanzkommunikation sei deshalb eindeutig ein Werttreiber.
Doch es gibt offensichtlich ein Problem, das eine professionellere und effektivere Finanzkommunikation behindert. Wenn sich auch keine flächendeckende Kreditklemme nachweisen lässt, so besteht doch eine nachhaltige „Kommunikationsklemme“ insbesondere zwischen mittelständischen Unternehmen und ihren Finanziers. Beide Seiten haben eine signifikant unterschiedliche Meinung darüber, wie gut und hilfreich ihr Informationsverhalten auf der einen, ihr Leistungsangebot auf der anderen Seite ist.
Zwar werden sich das Selbst- und das Fremdbild niemals decken, aber so große Unterschiede, wie sie bei Unternehmen und Kapitalgebern darüber auftreten, sind bedenklich. „Man kann nicht sagen, der eine oder der andere hat Recht mit seinem Urteil, aber es gibt einen großen kommunikativen Nachholbedarf“, stellen Paul und Stein fest.
Das konjunkturelle Fazit ist deshalb durchwachsen: Einerseits ist die Entwicklung und sind die Aussichten so günstig wie noch vor kurzer Zeit nicht erwartet und wie seit langem nicht mehr. Andererseits gibt es weiterhin ernstzunehmende Gefahren. „Wir müssen aufpassen, dass aus dem Aufschwung XL nicht ein Aufschwung M oder gar S wird.“
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