Wirtschaft Konkret Nr. 420 - Leben versus Arbeiten?

Leben versus Arbeiten?

Arbeitsmodelle der Zukunft

Editorial: Tief greifender Wandel der Arbeitswelt

Der Wandel findet seit langem statt. Spätestens seit Ende der achtziger Jahre verändern sich die Strukturen und Arbeitsbeziehungen in den Unternehmen fundamental. Was im Zuge der industriellen Revolution in den Betrieben Einzug hielt, genaue Aufteilung der einzelnen Arbeitsschritte und strikte Hierarchien, das löst sich nun wieder auf. Teams ersetzen die hierarchischen Strukturen, es gibt Zielvereinbarungen statt Handlungsanweisungen von oben nach unten.

Dieser Prozess wird sich in Zukunft noch verstärken. Acht Stunden am Tag abhängig beschäftigt in Büro oder Fabrik ist ein Muster, dem die wenigsten neuen Jobs noch folgen. Stattdessen gehört zeitlich und räumlich flexiblen Arbeitsverhältnissen die Zukunft. Arbeitnehmer arbeiten im Betrieb, aber auch zu Hause oder unterwegs. Teilzeitarbeit, gleitende Arbeitszeit, Jahres- und Lebensarbeitszeit werden individuell gestaltet. Schon deshalb, weil wegen der demografischen Entwicklung die Erwerbsquote von Frauen und Älteren erhöht werden muss. Beruf und Familie sind aber genauso wie Alter und Beschäftigung nur mit flexiblen Modellen zu vereinbaren.

Aber sind die neuen Arbeitsverhältnisse auch besser als die alten, starren? Fest steht, Arbeitnehmer können ihren Job nicht mehr zum Feierabend am Werkstor abgeben. Flexible Jobs sind nur möglich mit modernen Kommunikationsmitteln wie Handy, Laptop oder Internet und damit einer potentiell permanenten Erreichbarkeit. „Hyperconnected“, also übervernetzt, ist eine wachsende Gruppe von Menschen, die überall erreichbar ist – ob am Wochenende oder im Urlaub, im Bett oder im Bad. Mehr denn je stellt sich deshalb die Frage nach der optimalen Verteilung von Arbeits- und Freizeit – nach der „Work-Life-Balance“.

Mit der totalen Vernetzung umgehen zu können, ist eine der größten Herausforderungen der heraufziehenden neuen Arbeitswelt. Die Menschen müssen lernen, dass der Black Berry auch einmal ausbleiben kann. Und die Unternehmen müssen sich um eine ausgeglichene „Work-Life-Balance“ ihrer Mitarbeiter kümmern, nicht aus purer Menschlichkeit, sondern damit Leistung und Produktivität stimmen. Denn es ist ja wahr: „Wenn man immer unter Strom steht, werden die Entscheidungen irgendwann schlecht.“

Rainer Hupe
Chefredakteur

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