Wirtschaft Konkret zum Thema Glück & Erfolg

Glück & Erfolg

Braucht man Glück für den Erfolg – oder Erfolg um glücklich zu sein?

Was uns glücklich macht

Voranzukommen, Erfolg zu haben und besser dazustehen als andere, ist eine natürliche Antriebskraft der Menschen. Doch das kann auch in der Status-Tretmühle enden. Genauso wichtig wie ein hohes Einkommen und steigender Konsum sind Zufriedenheit und Anerkennung im Beruf, Familie und Freundschaften im Privatleben.

Wenn die Menschen in einem Land sich nicht unbedingt mit steigendem Sozialprodukt glücklicher fühlen, dann stellt sich die Frage, welche Bedeutung haben das Einkommen, die Karriere und die Verhältnisse am Arbeitsplatz für die Zufriedenheit? Sind Karriere und
materieller Reichtum nicht die wichtigste Voraussetzung für Glück, sondern ganz im Gegenteil, Glück und Zufriedenheit die Voraussetzung für Erfolg? So wie es offensichtlich Hasso Plattner glaubt, einer der erfolgreichsten Unternehmensgründer im Nachkriegs-Deutschland, der seine Mitarbeiter glücklich machen will und damit seine Firma wieder erfolgreich?

Die Frage, ob glückliche Mitarbeiter auch leistungsfähiger sind, beschäftigt auch die Glücksökonomen schon länger. Voranzukommen sei einer der wichtigsten Faktoren für Glück, hat der Münsteraner Professor van Suntum in seiner Studie für das Glücks-BIP fest gestellt. „Stets besser stehen zu wollen als die anderen und sich dafür anzustrengen liegt in unseren Genen“, sagt der Schweizer Ökonom Binswanger. Doch dieses Streben führt allzu häufig im Betriebsalltag nur dazu, dass sich die Menschen in einer „Status-Tretmühle“ abrackern, meint Binswanger. „Weil man intern in der Konkurrenz steht, werden Berichte immer länger, schreibt man immer mehr Anträge, kreiert man immer aufwändigere Powerpoint- Präsentationen“, hat er festgestellt. Derjenige, der ausschert, hat den anderen gegenüber einen Nachteil.

Befördert wird diese Verhaltensweise noch dadurch, dass Männer eher sozial anerkannt sind, wenn sie Karriere machen. Das sei kulturell geprägt, sagt der Berliner DIW-Forscher Jürgen Schupp. Und wird noch verstärkt durch eine Ranking-Manie. Binswanger hat festgestellt: „Man versucht, überall der Beste zu sein, oder unter den drei Besten oder zumindest in den Top Ten.“ Bei diesem Status-Rennen geraten viele Menschen auch noch in die Perfektionsfalle. Um besser zu werden, arbeiten sie sich ständig an ihren Schwächen ab, die sie beseitigen wollen, um im Konkurrenzkampf mithalten zu können. [...]

Wirtschaft Konkret Nr. 426 - Glück & Erfolg
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