Leben versus Arbeiten?
Arbeitsmodelle der Zukunft
Gesellschaft und Arbeitsmarkt im Umbruch
Kaum jemand bezweifelt, dass die klassischen Arbeitsmodelle der Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft in einem tief greifenden Wandel stecken. Da sind sich Forscher, Unternehmer und Gewerkschafter einig wie selten. Acht Stunden am Tag abhängig beschäftigt in Fabrik oder Büro ist ein Muster, dem die wenigsten neuen Jobs noch folgen. „Die Art der Erwerbstätigkeit verändert sich“, sagt Friederike Maier, Professorin für Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik an der Fachhochschule für Wirtschaft in Berlin.
Zunehmend sind Menschen befristet oder projektbezogen beschäftigt, und dieser Trend zieht sich durch alle Bereiche. So arbeiten nicht nur Ingenieure oder IT-Experten, diese Form der Arbeit ist zunehmend auch in anderen Branchen wie dem Handel oder dem Hotel- und Gaststättengewerbe verbreitet. Immer seltener gibt es noch den klassischen Weg der Ausbildung mit anschließender Festanstellung.
Zeitlich und räumlich flexiblen Arbeits modellen gehört die Zukunft, das ist Konsens unter den meisten Auguren.
Arbeitnehmer der Zukunft haben nicht nur in ihrem Betrieb keinen inhaltlich und räumlich fest umrissenen Arbeitsplatz mehr, sondern sie wechseln auch zwischen Unternehmen, verschiedenen Tätigkeiten und Orten in mehr oder weniger großen Abständen. Prophezeit wird eine Zukunft, in der auch mehrere Jobs gleichzeitig verrichtet werden und die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit zunehmend undeutlicher wird.
Der Soziologe Ulrich Beck spricht von einer „Brasilianisierung“ der Gesellschaft. Der Zukunftsforscher Matthias Horx beschreibt die künftige Existenz so: „Man wird nicht mehr wie im klassischen Modell industrieller Arbeit tätig sein, sondern wird in arhythmischen Formen von zeitlicher Investition in Erwerbsarbeit leben.“ Teilzeitarbeit, gleitende Arbeitszeit, Jahres- und Lebensarbeitszeit sowie andere Formen zeigen: Starre Formen sind passé. Auch der Arbeitsort braucht nicht mehr mit dem Firmensitz identisch zu sein. Im heutigen Telefon- und E-Mail-Verkehr ist kaum noch auszumachen, wer im Büro sitzt, wer zu Hause oder sogar in den Bergen oder irgendwo am Strand seine Arbeit erledigt. [...]

