Fair Trade und Umwelt
Handel(n) ohne Grenzen
Fairer Handel – ein wachsendes Geschäft
Die Deutschen sind ein Volk von Schnäppchenjägern und Billigheimern, diesen Eindruck haben marktschreierische Werbekampagnen in den vergangenen Jahren kräftig verstärkt. Glaubt man ihnen, dann gibt es nur einen erfolgreichen Trend: Ob Textilien oder Telefone, Kosmetik oder Kaffee, Äpfel oder Autos – „billig“ ist das Zauberwort, das Konsumenten offenbar massenhaft in Bewegung setzt. Discounter legten beeindruckende Erfolgsbilanzen vor und ein häufig zitiertes Beispiel wurde zur Metapher für diese Entwicklung: Der Porschefahrer, der bei Aldi vorfährt, um Champagner im Sonderangebot zu kaufen.
Doch hinter dieser grellen und lauten Kulisse vollzog sich ein Wandel, der zwar viel weniger Aufsehen erregte und natürlich auf einem erheblich niedrigeren Niveau stattfand, gleichwohl aber stärkere Wirkung zeigt. Immer mehr Menschen möchten bewusst einkaufen, sie wollen wissen, wie die angebotenen Waren produziert wurden und sie legen Wert darauf, dass der Schutz der Umwelt und gewisse soziale Standards bei der Herstellung beachtet werden.
Shoppen mit Spaß und gutem Gewissen, das ist gewissermaßen die Kehrseite des Billig-Booms. Und bei genauem Hinsehen sind die Auswirkungen auch deutlich zu erkennen: Bio-Supermärkte boomen, Mode aus umweltfreundlichen Materialien taucht in Modemagazinen auf, die Nachfrage nach Angeboten mit Fair-Trade-Label steigt, nicht nur bei Agrarprodukten, sondern auch in Bezug auf „sanfte“ Reisen oder ethisch-ökologische Geldanlagen.
Sogar die Internationale Süßwarenmesse, die jedes Jahr im Januar in Köln stattfindet, bestätigte 2007 diesen Trend. Einerseits verzeichnete die Bio-Branche enorme Zuwachsraten, andererseits waren Produkte aus fairem Handel gefragt wie nie. Der Absatz von fair gehandelten Süßigkeiten stieg in Deutschland 2006 um 25 Prozent. „Die Deutschen entwickeln sich offenbar zu Leckermäulern mit einem Sinn für Fairness und Gerechtigkeit“, kommentierte der Deutschlandfunk die Entwicklung. [...]

