Fair Trade und Umwelt
Handel(n) ohne Grenzen
Editorial: Ein zartes Pflänzchen gedeiht
Zugegeben, ein Megageschäft ist der faire Handel noch nicht. Gemessen an den Umsätzen des Einzelhandels in Deutschland sind die Erlöse alles andere als beeindruckend. Bestechender fallen da schon die Zuwächse in den vergangenen Jahren aus, denn zweistellige Raten sind in einem „normalen“ Business kaum noch zu erreichen. Und seit auch große Discounter fair gehandelte Produkte in ihre Regale stellen, aus welchen Gründen auch immer, hat das Geschäft am Rande der Wirtschaft noch einmal einen ordentlichen Schub bekommen.
Vielleicht handelt es sich also eher um einen Megatrend! Biologisch hergestellte und fair gehandelte Waren, nicht immer, aber immer öfter das Gleiche, finden zunehmend Anklang bei den Verbrauchern. Längst geht es nicht mehr nur um Kaffee, Tee oder Bananen. Auch Teppiche und Textilien, Schmuck und Schokolade, Blumen und Bälle oder Edelsteine werden so gehandelt, dass den Erzeugern ein angemessener Teil des Erlöses als Einkommen zuteil wird.
Auch Politiker fördern Fair Trade auf allen Ebenen. Die Vereinten Nationen sehen darin ein geeignetes Instrument zur Bekämpfung der Armut auf der Welt, das Europäische Parlament hat die Kommission aufgefordert, faire Bedingungen für den fairen Handel herzustellen, und die Bundesregierung unterstützt eine Informationskampagne mit mehreren Millionen Euro. Denn alle wissen, dass ein uraltes ökonomisches Gesetz ja zutrifft: Handel fördert den Wohlstand der Nationen.
Allerdings findet er bislang allzu häufig unfair statt: Handelsbarrieren, Zölle und Subventionen verhindern einen gerechten Wohlstandsausgleich. Wenn die Preise für Zucker oder Baumwolle ins Bodenlose fallen, dann schützen Europäer und Amerikaner ihre Bauern mit Subventionen, während die Produzenten in der Dritten Welt kaum ihren Lebensunterhalt erwirtschaften. Und wenn China den Westen mit Textilien oder Schuhen zu Dumpingpreisen überflutet, dann werden Millionen arbeitslos. Die Welthandelsorganisation hat diese Interessenkonflikte bisher kaum lösen können.
Deshalb verbindet sich mit fairem Handel auch eine – zugegeben – politische Megavision: dass er zum Vorbild für den Welthandel wird.
Rainer Hupe
Chefredakteur

