Wirtschaft Konkret Nr. 107 - Insolvenzen in Zeiten der Finanzkrise

Insolvenzen in Zeiten der Finanzkrise

Insolvenzen in Zeiten der Finanzkrise

Die Ergebnisse der Studie in Kürze

Die tiefe Krise der Weltwirtschaft bringt die Unternehmen in Deutschland in extreme Schwierigkeiten. Dies lässt sich besonders aus den Antworten der Insolvenzverwalter in drei Bereichen schließen: Welche Auswirkungen hat die Finanzkrise? Welche Insolvenzursachen treten in dieser Extremsituation besonders häufig auf? Welche Konsequenzen sollten daraus gezogen werden?

Welche Auswirkungen hat die Finanzkrise?

  • 63% der Insolvenzverwalter glauben, dass der Rekordwert an Insolvenzen aus dem Jahr 2003 in der aktuellen Krise überschritten wird, weitere 23%, dass wir ihn wieder erreichen werden.
  • Einen deutlichen Anstieg der Insolvenzzahlen erwarten 51% der Verwalter für das 3. Quartal 2009; 22% sehen die Insolvenzwelle im 4. Quartal auf uns zukommen.
  • Den Höhepunkt der kommenden Insolvenzwelle erwartet die Hälfte der Insolvenzverwalter in 2009, die andere Hälfte 2010 oder später.
  • Das Ausbleiben neuer Aufträge wird nach Ansicht von 94% der Insolvenzverwalter zum Anstieg der Insolvenzahlen beitragen; die Stornierung oder Verschiebung bereits erteilter Aufträge sehen 73% als Auslöser.
  • Mehr als zwei Drittel der Befragten erkennen in der Insolvenz von Auftraggebern oder Lieferanten die Gefahr des Dominoeffektes.
  • 62% sehen in der restriktiven Kreditvergabe der Banken einen der zentralen Auslöser für einen Anstieg der Insolvenzen.

Welche Insolvenzursachen treten jetzt besonders auf?

  • Bei den aktuellen Insolvenzen stehen Ursachen im Mittelpunkt, die auf die Zukunft eines Unternehmens ausgerichtet sind: fehlender Mitarbeiter-Abbau bei sinkendem Umsatz (67%), zu geringe Rücklagen für unerwartete Ereignisse (64%) und ein starres Festhalten an alten Konzepten (61%).
  • Fehlende personelle Kapazität für Strategieüberlegungen ist die am stärksten angestiegene Insolvenzursache im Vergleich zur ersten Studie 2006.
  • Die Insolvenzverwalter schätzen, dass 34% der Insolvenzanträge durch die Krise ausgelöst wurden.
  • Mehr als 17% der Insolvenzen im Mittelstand sind ausschließlich auf die Finanzkrise zurückzuführen.
  • Bei 39% der Insolvenzen ist die Krise nur ein vorgeschobener Grund.
  • 75% der Insolvenzverwalter bestätigen, dass bei ihnen Fälle vorkommen, bei denen kleine Mittelständler einen Auftragseinbruch von 40% bis 60% verkraften müssen.

Welche Konsequenzen sollten gezogen werden?

  • 70% der Insolvenzverwalter halten es für sehr hilfreich, Paragraph 613a BGB (Verpflichtung bei einem Betriebs- oder Teilbetriebsübergang, alle Arbeitsverhältnisse zu übernehmen) während der Krise für mindestens drei Jahre auszusetzen.
  • Ein radikal vereinfachtes Insolvenzplanverfahren und eine beschleunigte Plangenehmigung halten 60% für sehr hilfreich.
  • Eine knappe Mehrheit wünscht sich mehr Einfluss der Insolvenzverwalter auf die Gesellschafter durch Einbeziehung der Gesellschafter in das Insolvenzplanverfahren und die Möglichkeit, Änderungen des Gesellschaftervertrages durch den Insolvenzverwalter durchführen zu können.
  • Ein spezieller Fonds, aus dem die Verwalter Darlehen zur Fortführung und Sanierung bekommen könnten, sollte während der Krise eingerichtet werden, meinen 56%.
  • Schließlich plädieren 46% der Befragten dafür, das Insolvenzgeld vorübergehend länger zu zahlen.

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