Wirtschaft Konkret Nr. 419 - Der Charakter der Wissensgesellschaft

Der Charakter der Wissensgesellschaft

Möglichkeiten, Herausforderungen, Grenzen

Auf dem Weg in die Wissensgesellschaft

Auch wenn sich die meisten Beobachter einig zu sein scheinen, dass der Industriegesellschaft die Wissensgesellschaft als logische Entwicklungsstufe folgen wird, bleibt doch die Frage, was das denn konkret bedeutet. Heißt das nur, dass die Menschen heute mehr wissen als früher? Ist die Wirtschaft stärker von Wissen abhängig? Und welches Wissen ist überhaupt gemeint?

Natürlich wäre es naiv zu glauben, dass Wissen selbst in antiken Gesellschaften keine Rolle gespielt hätte. Die Hochkulturen in Asien oder im Mittelmeerraum sind eindrucksvolle Beispiele für das Gegenteil. Wissen gehört unzweifelhaft zu jeder ökonomischen und gesellschaftlichen Etappe der Entwicklung.

Die Wettbewerbsfähigkeit traditioneller Industriezweige wie Chemie oder Maschinenbau hängt entscheidend von ihrer Innovationskraft, also dem angewendeten Wissen, ab. So gesehen hat es die Wissensgesellschaft bereits als Motor oder Ergänzung der Industriegesellschaft gegeben. Tatsächlich hat sich die Soziologie denn auch bereits in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eingehend mit dem Verhältnis von Wissen und Gesellschaft beschäftigt und die eigene Subdisziplin der Wissenssoziologie herausgebildet.

Der Begriff „Wissensgesellschaft“ wurde in den fünfziger und sechziger Jahren von amerikanischen Publizisten und Soziologen geprägt. Der Managementtheoretiker Peter F. Drucker verwendete das Wort „Wissensarbeiter“ bereits 1959 in seiner Veröffentlichung „Landmarks of Tomorrow“, von der „Wissensgesellschaft“ schreibt er 1969 in seinem Buch „The Age of Discontinuity“. Diese Gesellschaft sei dadurch geprägt, dass Wissen die Quelle von Produktivität, Wachstum und sozialer Ungleichheit ist und nicht länger die klassischen Produktionsfaktoren Arbeit, Kapital, Boden. [...]

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